Denn einmal kommt ...
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Kaven, Ewald, “Denn einmal kommt der Tag, dann sind wir frei ...” DDR-Strafvollzug in Bützow Dreibergen, hrsgg. von Hans Hesse, Essen 2004, 176 S., zahlreiche Abbildungen, ISBN 3-89861-344-5, 12, 90 €.

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Als vermutlich einzige Verfolgtengruppe der NS-Zeit wurde den Zeugen Jehovas als ehemalige „Opfer des Faschismus“ dieser Status aberkannt. Und nicht wenige von ihnen wurden nach 1945 wieder in die gleichen Haftstätten eingewiesen, in denen sie während der NS-Zeit drangsaliert wurden.

 Eine dieser Haftstätten war Bützow-Dreibergen in Mecklenburg-Vorpommern, in der während der NS-Zeit hunderte Häftlinge an den Haftbedingungen starben. Über 40 Menschen wurden getötet, als Bützow-Dreibergen Ende 1944 Hinrichtungsstätte für Hamburg wurde.

 Einer der Häftlinge, die als Zeugen Jehovas dort jahrelang festgehalten wurden, ist der heute 80jährige Ewald Kaven. Als 30jähriger kam er 1954, zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt, nach Bützow-Dreibergen. Über seine Eindrücke während seiner sechsjährigen Haftzeit – 1960 wurde er nach West-Berlin entlassen – verfasste er Jahre später einen ausführlichen Bericht, der in diesem Band veröffentlicht wird. Detailliert schildert er die Haftumstände, die Vernehmungen durch die Stasi, die Drangsalierungen, die Methoden des Strafvollzugs in der DDR. In Bützow-Dreibergen starben mehr Zeugen Jehovas in oder an den Folgen der Haft als in anderen Haftanstalten der DDR.

 Eingeleitet wird der Band durch einen wissenschaftlichen Beitrag des Historikers Hans Hesse zur DDR-Verfolgungsgeschichte der Zeugen Jehovas, der das Einzelgeschehen in die Gesamtzusammenhänge einordnet. Eine weitere Ergänzung findet der Erinnerungsbericht durch die Verfolgungsgeschichte des Bützower Ehepaares Schoknecht, die als Zeugen Jehovas später in Bützow selber inhaftiert waren, und einen Beitrag mit biografischen Skizzen zu den durch die Bützower Haft verstorben Zeugen Jehovas von Falk Bersch.

Zu beachten ist ebenfalls der Erinnerungsbericht von Meta Kluge, die in Bützow-Dreibergen in der Frauenstrafvollzugsanstalt inhaftiert war, und der ebenfalls publiziert wurde. Während der Haft schrieb sie Gedichte, um nach ihrer Entlassung eine Gedächtnisstütze zu haben. Eines dieser Gedichte fand Ewald Kaven. Er berichtet darüber beginnend mit Seite 116.

Rezension von Andreas Wagner, in: Zeitgeschichte regional. Mitteilungen aus Mecklenburg-Vorpommern 1/05, S. 124f.:

“Herr Kaven erzählt sehr lebendig und detailliert über seine Erlebnisse und Wahrnehmungen in der Haft in Bützow-Dreibergen. Die katastrophalen Haftbedingungen in der ersten Zeit sind schockierend. Die Zellen waren vielfach überbelegt, mit Ungeziefer verseucht. [...] Viele für den Alltag im Strafvollzug der 1950er Jahre wichtige Informationen verdanken wir diesen Erinnerungen. [...] Insgesamt liegt damit eine eindrucksvolle Dokumentation zur Bedeutung des DDR-Strafvollzuges für die Verfolgung der Zeugen Jehovas in der frühen DDR vor.”

Rezension in Religion, Staat, Gesellschaft. Zeitschrift für Glaubensformen und Weltanschauungen, 2005/Heft 2, S. 347-351 von Hans-Dieter Jacoby:

“Wer einmal mit der Lektüre des Berichtes von Ewald Kaven begonnen hat, legt ihn nicht mehr zur Seite. So fesselnd und eindrucksvoll sind die Schilderungen des Zeugen Jehovas über seine sechseinhalbjährige Zuchthausstrafe inder DDR in der Strafvollzugsanstalt Bützow-Dreibergen. [...] Mit dieser Dokumentation von Ewald Kaven legt Hesse einen weiteren Beitrag in der noch nicht abgeschlossenen Aufarbeitung der Verfolgungsgeschichte einer religiösen Minderheit in der ehemaligen DDR vor.”

Rezension von Ulrich Thißen vom 27. Mai 2005 im Mecklenburg-Magazin unter: www.svz.de:80/magmv/27.05.05/Tag/Tag.html

Literaturverzeichnis zu “Verfolgung und Widerstand der Zeugen Jehovas”

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