Gedenkbücher
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Heldenbücher, Eiserne Bücher, Ehrenchroniken – Bücher als Denkmäler des I. Weltkriegs

„Um den vielen Söhnen unserer Gemeinde, die im Weltkrieg 1914–1918 in treuer soldatischer Pflichterfüllung Leben und Gesundheit geopfert haben, ein Denkmal unauslöschlichen Gedenkens zu setzen und ihre Namen als leuchtendes Bespiel der Vaterlandsliebe und des Gemeinsinns der Nachtwelt zu überliefern, hat die Gemeinde beschlossen, dieses Ehrenbuch zu errichten. Die Kriegschronik unserer Gemeinde soll den künftigen Generationen zugleich ein Spiegelbild der tiefeinschneidenden Veränderungen geben, denen unser Gemeinwesen während des Krieges und in den darauffolgenden Jahren unterworfen war. Sie soll auch den Weg zeigen, der vom Niedergang unserer Nation zum Wiederaufstieg und der nationalen Erhebung des deutschen Volkes führte.“

Diese Sätze stammen aus der Widmungsurkunde der „Ehrenchronik unserer Gemeinde“, die an die „Gefallenen“ und Kriegsteilnehmer des I. Weltkriegs aus Troisdorf-Sieglar erinnert und im Stadtarchiv in Troisdorf aufbewahrt wird.

Derartige „Gedenkbücher“ sind nicht nur für Sieglar überliefert. Verschiedene Bezeichnungen sind bekannt, wie z.B.: Heldenbuch, Gedenkbuch, Heldengedenkbuch, Kriegsgedenkbuch, Ehrenchronik, Ehrenbuch, Gedächtnisbuch, Eisernes Buch. Z.T. wurden sie bereits während des I. Weltkriegs gedruckt und verkauft. Einige, wie etwa das Sieglarer Exemplar, boten dem Leser eine Art Geschichtsschreibung sowohl zu den Ursachen und Anfängen des I. Weltkriegs, als auch zur Geschichte des Ortes, der Gemeinde, der Stadt, auf die sich das „Gedenkbuch“ bezog. Dabei stellten die nach 1933 veröffentlichten Gedenkbücher den I. Weltkrieg, die Nachkriegszeit, die Weimarer Republik und die NS-Zeit in einen Sinnzusammenhang. Sie sollten „den Weg zeigen, der vom Niedergang unserer Nation zum Wiederaufstieg und der nationalen Erhebung des deutschen Volkes führte“, wie es in dem Troisdorf-Sieglarer Gedenkbuch heißt. Der „Wiederaufstieg der Nation“ endete im II. Weltkrieg. Ähnlich wie die so genannten „Krieger“-Denkmäler dienten hierbei auch die Gedenkbücher der ideologischen Vorbereitung des neuerlichen Krieges.

Diese „Ehrenchroniken“ oder „Heldenbücher“ gehören zur Gedenkkultur nach dem I. Weltkrieg wie die so genannten „Krieger“-Denkmäler oder die Kriegsgräber. Sie sind nicht nur im übertragenen Sinne Denkmäler, sondern wie das Anfangszitat zeigt, „ein Denkmal unauslöschlichen Gedenkens“. Ähnliches lässt sich aus anderen „Gedenkbüchern“ zitieren. So ist im Vorwort des „Gevelsberger Heldenbuchs“ zu lesen, es sei ein „Ehren-Denkmal besonderer Art“. Im „Geleitwort“ des „Eisernen Buchs“ der Gemeinde Lobberich heißt es, es sei ein „Denkmal für alle diejenigen, die draußen gekämpft und die daheim gesorgt haben“. Das „Gedenkbuch“ der thüringischen Gemeinde Zeulenroda bezeichnet sich schon im Titel ausdrücklich als: Tod oder vermisst. Ein Denkmal für Zeulenrodas Opfer im Weltkrieg.

Es gibt darüber hinaus viele ikonografische Gemeinsamkeiten mit den „Krieger“-Denkmälern. Symbole wie das Eiserne Kreuz, das Schwert, der Reichsadler, Eichenlaubkränze oder der Stahlhelm, lassen sich in den Gedenkbüchern ebenso finden wie figürliche Darstellungen von liegenden Soldaten oder Handgranatenwerfern und Inschriften, die auch in den Gedenkbüchern zitiert werden.

Meinhold Lurz wies ihnen eine herausragende Bedeutung zu, wenn er sie als „geistiges Zentrum von Denkmälern“ beschrieb, da sie – nach dem Willen der Stifter – die Gemeinschaft der Kämpfenden wiederherstellten, sowohl durch die Auflistung der Toten als auch die Nennung der Kriegsteilnehmer.

Ausdrücklich beschränkte sich diese Denkmalfunktion nicht nur auf die „Gefallenen“, sondern es sollte ebenfalls der Geschichte der jeweiligen Gemeinde (und mitunter auch der Nationalgeschichte) erinnernd gedacht werden. Es handelte sich bei dieser ‚Geschichtsschreibung‘ nicht um eine an wissenschaftlichen Kriterien orientierte, sondern um eine ‚Geschichtsschreibung‘ als erklärter Bestandteil einer Erinnerungskultur. Das Geschehene wurde weniger erklärt als vielmehr verklärt. Die ersten Sätze des Vorworts zum „Eisernen Buch der Gemeinde Lobberich“ verdeutlichen dies anschaulich: „‘Eisernes Buch‘, so lautet die Überschrift des vorliegenden Werkes, in dem ein Zeitbild gezeichnet worden ist, das nach Jahrhunderten noch Zeugnis davon ablegt, wie die Bürgerschaft der Gemeinde Lobberich die gewaltig große und ernste Zeit des Weltkrieges 1914–1918 erfasst und mit starkem einheitlichem Willen und höchster Opferbereitschaft überwunden hat. […] Das Buch berichtet über eine eiserne Zeit, über eisernen Ernst, eiserne Entschlossenheit und eisernen Willen. Das ganze deutsche Leben war während des Krieges in Eisen umgewandelt, ein eiserner Ring umschloss das deutsche Volk, ob in Waffen oder daheim, das alles einsetzte, um der schweren Zeit sich würdig zu erweisen.“

Zwar waren diese „Heldenbücher/Gedenkbücher“ erst nach dem I. Weltkrieg weit verbreitet, zu konstatieren ist jedoch, dass es für diese Buchgattung mehrere Wurzeln gibt, die weit zurückreichen.

Aufsätze/Veröffentlichungen:

- Ausstellung in der Kunstbibliothek der Stadt Köln “Heldenbücher, Eiserne Bücher, Ehrenchroniken - Bücher als Denkmäler des I. Weltkriegs” vom 5. November bis 27. Dezember 2016.

- Hesse, Hans/Purpus, Elke, Bücher als Denkmäler - Das Beispiel der Sieglarer “Ehrenchronik unserer Gemeinde” zum I. Weltkrieg, in: Troisdorfer Jahreshefte (2014), 44. Jahrgang, S. 47-65.

- Die Sieglarer “Ehrenchronik unserer Gemeinde” zum I. Weltkrieg, zusammen mit Elke Purpus, in der Reihe “Fundstücke” des Stadtarchivs Troisdorf (auch als pdf), 28. August 2014.

- Hesse, Hans/Purpus, Elke, Ehrenchroniken für die getöteten und zu Tode gekommenen Soldaten und Kriegsteilnehmer des Ersten Weltkriegs als Spiegel einer Meistererzählung - Das Beispiel Troisdorf, in: Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises, 2014, Bd. 29, S. 148-152.

- Hesse, Hans, “...werden staatspolizeiliche Maßnahmen zur Anwendung gebracht.”, in: LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum (Hg.), Gedenkbuch für Nina Sawina. Arbeiten von Studierenden der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, Alfter, und anderen Künstlern in der Gedenkstätte Brauweiler, 23.9. bis 9.11.2010, Brauweiler 2010, S. 7-9.

- Hesse, Hans, Russische Bürgerin, Name unbekannt. Gedenkbuch für Nina Sawina, in: LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum (Hg.), Gedenkbuch für Nina Sawina. Arbeiten von Studierenden der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, Alfter, und anderen Künstlern in der Gedenkstätte Brauweiler, 23.9. bis 9.11.2010, Brauweiler 2010, S. 16-21.

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