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Willy Meller
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70S., 81 Abb., ISBN 978-3-942898-02-7, ISSN 2191-6527, erhältlich bei der Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln für 8€.

Lebenslauf und Ausstellungsverzeichnis (wird laufend ergänzt). Erste Besprechung der Meller-Ausstellung in Köln. Weitere Besprechung, Rheinische Art 07/2014.

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Fragwürdiger Professorentitel

Unkritischer Umgang mit Meller-Objekten nach 1945?

Das Beispiel Korschenbroich-Glehn

Das Beispiel Remscheid

Weitere Literatur

Der Kölner Bildhauer Willy Meller (1887-1974) gehörte zu den meistbeschäftigten Bildhauern in der NS-Zeit. Ein Artikel vom 4. März 1937 im Westdeutschen Beobachter zu Willy Mellers 50ten Geburtstag von Dr. Ewald Bender gibt ein beredtes Beispiel für die Belobigungen Mellers. In ihm lobte der Autor den Bildhauer überschwänglich mit den Worten:

"Die künstlerischen Leistungen dieses Mannes, der unter den deutschen Bildhauern der Gegenwart vielleicht der echteste Architekturplastiker ist, hätten schon längst eine Würdigung verdient. [...] Als Nationalsozialisten und Kölner haben wir besondere Veranlassung, seiner zu gedenken. Von der Partei und dem neuen Staat sind ihm große Gestaltungsaufgaben übertragen worden. Wie er sie im Geiste des Nationalsozialismus mit reinen und kunstgeübten Händen gelöst hat, bezeugen vor allem die Ehrenmale für die in München Ermordeten der Bewegung auf den Ordensburgen Vogelsang und Crössinsee, für die Gefallenen des Weltkrieges in deutschen Städten, berichten die Bildwerke auf dem Reichssportfeld."

Der Artikel schließt mit dem Ausblick:

"Dieses reife bildhauerische Können und diese Gestaltungskraft versprechen für die Zukunft noch Größeres".

In der Tat - Meller war bei diversen Großbauprojekten im "Dritten Reich" mit seinen bildhauerischen Arbeiten vertreten. Zu den heute bekanntesten Beteiligungen zählen die Arbeiten für die NS-Ordensburgen Krössinsee (im heutigen Polen) und Vogelsang (Eifel) und das "Kraft durch Freude-Seebad" Prora auf der Insel Rügen. Darüber hinaus schuf er eine Reihe von weniger umfänglichen, gleichwohl ns-ideologisch ausgerichteten Arbeiten wie z.B. in Köln-Bayenthal den Eingangsbereich des Martin-Luther-Hauses oder so genannte Kriegerdenkmäler in Lüdenscheid und Viersen-Dülken. Des Weiteren waren eine seiner Spezialitäten Reichs- und Parteiadler. Am 20. April 1939 wurde das NSDAP-Mitglied Meller durch Adolf Hitler zum Professor ernannt. Einen Titel, den er nie ablegte, der heute noch seinen Grabstein auf dem Friedhof in Köln-Weiß schmückt.

Regelmäßig waren in den Jahren 1940 bis 1944 Arbeiten von ihm auf den Großen Deutschen Kunstausstellungen im Haus der Deutschen Kunst in München zu sehen. Meller war Unterstützer und Nutznießer des Nationalsozialismus. Er war ein "Vermittler faschistischer Ideologie" (so Karin Schuller-Procopovici über Meller in: Kolberg, Gerhard, Skulptur in Köln. Bildwerke des 20. Jahrhunderts im Stadtbild, Köln 1988, S. 145). Der Bildhauer Richard Miller schuf einen Porträtkopf zu Willy Meller, der auf Großen Deutschen Kunstausstellung ausgestellt wurde (Porträtkopf Meller).

Meller schätzte sich selber nach 1945 als unpolitisch ein. Er sah sich als unbelastet aus der NS-Zeit hervorgegangen. Über seine Tätigkeit in der NS-Zeit schrieb er 1963 im Rückblick:

"Ich sende Ihnen eine Mappe mit 45 Fotos und einen kurzen Lebenslauf. Ich habe darin bewusst darauf verzichtet, auf meine Belastung im dritten Reich [sic!] Bezug zu nehmen, es kommt mir langsam zum Halse heraus. Ihnen zur Unterrichtung und damit Sie auf eventuelle Fragen antworten können, noch einmal die Sache auf das richtige Maß gebracht: So lange ich selbständig arbeite, waren meine Auftraggeber Architekten. Die eigentlichen Auftraggeber kannte ich meist nicht oder nur am Rande. Ich frug nicht nach ihrer Religion oder Weltanschauung. Nach Erledigung des Auftrages vergaß ich sie sowieso. Was mich interessierte, war die formale Lösung der im Zusammenhang mit dem Bau gestellten Aufgabe und das beglückende Zusammenarbeiten mit befreundeten Architekten. Politisch war ich nicht interessiert und erst recht nicht engagiert. [...] Bei uns wurde weiter vom Bau gesprochen und nicht von Politik. [...] 1938 wurde ich [...] zum Professor ernannt. Man nenne mir denjenigen, der die Annahme des Titels verweigert hätte. Außerdem hatte ich durchaus das Gefühl, und habe es heute noch, den Titel verdient zu haben."

So bekannt diese Arbeiten aus der NS-Zeit auch sind, so verwundert es dennoch, dass es bis heute keine intensivere Auseinandersetzung mit diesem Bildhauer gegeben hat, zumal Meller trotz seiner Arbeiten in der NS-Zeit nach 1945 ungebrochen weiter Aufträge für öffentliche Bauten erhielt, worunter Denkmäler, die an den II. Weltkrieg erinnern, einen besonderen Stellenwert innerhalb seines Werkes nach 1945 einnehmen, z.B. für Oberhausen oder Frechen. Zu den beredtesten Beispielen dieser ungebrochenen öffentlichen Beauftragung Mellers ist jedoch der Bundesadler am Palais Schaumburg in Bonn, dem ersten Regierungssitz Konrad Adenauers, zu zählen (s. Buchcover oben).

Fragwürdiger Professorentitel - “Ich hatte den Titel verdient.” (W. Meller)

Für Mellers Haltung bezeichnend ist seine unkritische Haltung gegenüber der Verleihung des Professorentitels an ihn durch Adolf Hitler am 20. April 1939. Die Verleihung eines solchen Titels gehörte zu den Instrumenten der NS-Kunstpolitik. Voraussetzung für eine Verleihung war eine “künstlerisch anerkannte und bedeutsame” und “politisch einwandfreie” Persönlichkeit (vgl. Thomae, Otto, Die Propaganda-Maschinerie. Bildende Kunst und Öffentlichkeitsarbeit im Dritten Reich, Berlin 1978, S. 196). Der Titel wurde nur am 20. April (Geburtstag Adolf Hitlers), 30. Januar (so genannte Machtergreifung) oder anlässlich der Eröffnungen der Großen Deutschen Kunstausstellungen in München verliehen. Lediglich sechs Bildhauer erhielten diesen Professorentitel. Z.B. an Arno Breker (aber auch an Albert Speer). In dem Wikipedia-Eintrag zu Breker ist die Verleihungsurkunde wiedergegeben. Im Wortlaut heißt es da: “Im Namen des Reichs. Ich verleihe dem Bildhauer Arno Breker den Titel Professor. Der Führer und Reichskanzler”. Die weiteren Bildhauer sind: Theodor Kärner (in dem Wikipedia-Eintrag heißt es fälscherlicherweise, die Verleihung sei am 20. April 1938 anlässlich der Ernennung zum Professor an der Akademie der Bildenden Künste München erfolgt), Toni Stadler, A. Kranz und E.O. Richter.

Meller trug diesen höchst fragwürdigen “Titel”, den er von einem der größten Verbrecher in der Menschheitsgeschichte verliehen bekommen und für dessen menschenverachtende und rassische Ideologie er einen künstlerischen Ausdruck geschaffen hatte, nach 1945 unbeirrt weiter. Noch über den Tod hinaus, denn er ist auch auf seinem Grabstein zu lesen. Wie aus dem o.g. Zitat ersichtlich, war er nachweisbar bis in die 1960er Jahre unbeirrt sogar der Meinung, diesen Titel “verdient” zu haben.

Zu fragen ist, ob solche Titel, in der NS-Zeit verliehen für “Verdienste” um die Vermittlung der NS-Ideologie, nicht nach 1945 automatisch erloschen sind, oder ob sie nach wie vor Gültigkeit haben. Hierbei ist zu bedenken, dass parallel zu den Titelverleihungen hunderten von jüdischen Universitätsangehörigen ihre akademischen Titel aberkannt wurden. Erst spät begannen einige Universitäten damit, den Betroffenen - auch posthum - die Titel wiederzuleihen und sie somit zu rehabilitieren. Zu fragen ist weiterhin, wer im Falle der Ernennungen durch Adolf Hitler für die Aberkennungen heute zuständig wäre und ob dies auch posthum geschehen könnte.

Unkritischer Umgang mit Meller-Objekten nach 1945?

Das Beispiel in Korschenbroich-Glehn (NRW, Rhein-Kreis Neuß)

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In Frankreich findet man häufig so genannte Kriegerdenkmäler, die nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 eingeweiht und seitdem auf alle weiteren Kriege weitergewidmet wurden. In Orange sogar eines mit dem lapidaren Hinweis “...und alle weiteren Kriege”.

Die deutsche Variante dieses Universal-Denkmaltyps stellen Gedenkobjekte oder -anlagen dar, die z.B. nach dem I. Weltkrieg geschaffen und dann zunächst in den 1950er Jahren auf den II. Weltkrieg weitergewidmet wurden, um schließlich einige Jahrzehnte später auf die “Opfer der Gewaltherrschaft” weitergewidmet zu werden. Manche mit dem verwirrenden Zusatz “1939 bis 1945”, als habe es nur “Opfer” in den Kriegsjahren gegeben, andere tragen plötzlich eine veränderte Inschrift. So werden schon mal als “Helden” nach dem II. Weltkrieg “Opfer”.

Ein ähnlich problematisches Gedenkobjekt steht in Korschenbroich-Glehn. Das problematische an diesem Denkmal ist nicht nur die Tatsache, dass es von Willy Meller geschaffen wurde, sondern ist ebenso in der Behandlung dieses Objektes durch die Stadt zu sehen.

Die Skulptur eines knienden Soldaten sollte ursprünglich vor dem Rathaus aufgestellt werden. 1932 wurde sie jedoch nach einem "Volksentscheid" vor St. Pankratius errichtet, worüber wiederum der seinerzeitige Pfarrer nicht glücklich gewesen sein soll. Die Inschrift lautet: "Unsern gefallenen Helden 1914–1918". Nach 1945 kam eine weitere Tafel mit einem Eisernen Kreuz im Relief und den Jahreszahlen "1939–1945" hinzu. Eine Veranlassung, sich von dem Wort "Helden" zu distanzieren, sah man hierbei offenbar nicht. Im Gegenteil. Unter die erste Inschrift wurden lediglich die Jahreszahlen des II. Weltkrieg hinzugefügt. Und offenbar war man der Auffassung, dass die Symbolik des I. WK-Denkmals nach wie vor auch auf den II. Weltkrieg zu übertragen sei.

2013 wurden zwei Tafeln hinzugefügt. Die Tafel auf der linken Seite enthält die Inschrift: “Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe, und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält. Eph 4,2 u. 3.” Der Text stammt aus dem Brief des Paulus an die Epheser und dem Unterabschnitt “Verschiedene Mahnungen”, darin der “Aufruf zur Einheit”. Die Inschrift der rechten Tafel lautet: “Allen Opfern der Gewaltherrschaft und der Kriege zum Gedenken. Schützenverein Glehn e.V. 2013”.

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Die Skulptur zeigt einen Soldaten in der typischen Uniform des I. WK, kniend, das Gewehr mit der rechten Hand fest umschlossen aufrechtgerichtet auf dem Boden neben sich stellend, die linke Hand sich in einer Geste der Ehrbezeugung auf das Herz haltend. Eine Geste, die verschiedentlich auch noch beim Absingen der Nationalhymnen zu sehen ist.

Die I. und II. WK-Denkmäler Mellers zeichnen sich dadurch aus, dass man ihnen einen eigentlichen, dem Künstler eigenen Stil nicht ansehen kann. Das gilt sowohl für die Formenauswahl als auch für das Material und für die Ausführung. Während Künstler wie Will Hanebal sowohl vom Material als auch von der Formgebung her nach 1945 einen eigenen unverwechselbaren Stil entwickelt haben, zeichnen sich Mellers Arbeiten nach 1945 dadurch aus, dass die Handschrift des Künstlers kaum auszumachen ist. Das I. WK-Denkmal Mellers z.B. in Lüdenscheid (nackter, erwachender Jüngling, Bronze, Kolossalstatue) erinnert in keinster Weise an den Löwen in Neuß (Bronze), den Siegfried in Viersen-Dülken (Basaltlava) oder den knienden Soldaten in Korschenbroich. Davon ausgenommen sind weitgehendst seine Arbeiten aus der NS-Zeit. Hier zeigte der Künstler keine solch große Varianz. Das mag damit zusammenhängen, dass sich seine Arbeiten in dieser Zeit auf drei Großprojekte (NS-Ordensburgen Vogelsang und Krössinsee und Prora) konzentrierten.

Das Motiv in Korschenbroich ist ein für I. WK-Denkmäler sehr gebräuchliches. Im Rheinland sind ähnliche Denkmäler in Bornheim-Hemmerich (Rhein-Sieg Kreis) und in Brühl-Badorf (Rhein-Erft-Kreis) zu finden. Die Geste ist vielfältig zu deuten. Eine niederkniende Person drückt Trauer, Demut, Unterwerfung, eine Geste, um etwas zu Erbeten, aus (vgl. etwa die Skulptur der St. Walburga in Bornheim-Walberberg, Rhein-Sieg-Kreis oder die I. WK-Denkmäler in Dortmund-Somborn, Somborner Straße und Dortmund-Wambel, Wambeler Hellweg/Nussbaumweg (alter Friedhof)). Das Niederknien des Ritters/Soldaten jedoch umfasst mehr. Er kniet bei seinem Treueschwur vor seinem Herrn in ähnlicher Art und Weise nieder. Er schwört mit der Waffe in der Hand, er leistet den Eid, jederzeit sein Leben für ihn einzusetzen. Im Zusammenhang mit einem I. WK-Denkmal ist es ein militärischer Schwur, der geleistet wird, ein Treueschwur, sich nicht nur der gefallenen Kameraden ehrend zu erinnern, sondern auch ihren Tod zu rächen.

Die Korschenbroicher Skulptur drückt diese militaristische Haltung akzentuiert aus. Die entschlossene rechte Hand, die das Gewehr hält, die Schwurhand am Herzen, das Gesicht, das vom Stahlhelm, dem I. WK-Symbol schlechthin, beschattet wird, wirkt streng, kalt und brutal.

Schon die Weiterwidmung auf den II. Weltkrieg ist problematisch. Die Symbolik, die nach dem I. Weltkrieg durchaus üblich, aber nach dem II. Weltkrieg einer kritischen Kommentierung bedurft hätte, ist nicht auf den II. Weltkrieg zu übertragen. Weder das Pathos, noch der mehr oder minder versteckte Militarismus erscheinen angemessen. Zumal die Verknüpfung beider Weltkriege ohne Hinweis auf den Nationalsozialismus eine zwar in Deutschland tausendfach übliche, nichtsdestotrotz verkürzende Verkettung darstellt, den II. Weltkrieg geradezu ‘entnazifiziert’, seiner Ursachen entledigt und die beiden Weltkriege in einen Kausalzusammenhang stellt, der zwar nicht gänzlich falsch ist, aber z.B. die Verursachung des II. Weltkriegs durch das nationalsozialistische Deutschland nicht erwähnt. Zudem ist eine Distanzierung vom Begriff “Helden” nicht erkennbar.

Die Aussage und das Ziel der Ergänzung von 2013 sind nicht eindeutig. Vielfach wird dieses Bibelzitat als Aufruf zur Einheit der Christen verwendet. Die Verwendung auf einem “Kriegerdenkmal” könnte als Versuch gedeutet werden, es umzuwidmen in ein Friedensmal, als Versuch, die eigentliche, die militaristische Symbolik abzuschwächen oder gar zu bannen. Die zweite Tafel führt den Begriff “Opfer” ein und kontrastiert damit einmal mehr den ursprünglichen Begriff “Helden”, wiederholt jedoch auch den Begriff “Krieg” und bindet schlussendlich auch diese Gruppen in den neuen Gesamtkontext ‘Opfer der Kriege und der Gewaltherrschaft’ ein. Sie ist ein indirektes Zitat der Inschrift in der Neuen Wache in Berlin von 1993, deren Einweihung sich 2013 zum 20.ten Mal jährte. Der Historiker Reinhard Koselleck kritisierte diese Inschrift: “Der Opferbegriff ist verlogen, weil er die Alternative - Opfer für etwas oder Opfer durch etwas - verschweigt. Und damit kommt natürlich die ganze Spannung hinein, dass diejenigen, die wirklich ermordet worden sind, jetzt plötzlich mit derselben Inschrift als Opfer bezeichnet werden wie die Soldaten, denen sie vielleicht als Mörder gegenüber gestanden haben.” Dennoch: Sollten die neuen Inschriftentafeln der Versuch gewesen sein, das Denkmal insgesamt in seiner Aussage zu dekonstruieren?

Auf Grund der NS-Belastung sind einige Mahnmale Mellers mit Erklärungstafeln versehen, z. B. in Viersen-Dülken und in Oberhausen. In Korschenbroich verzichtete man auf ein derartiges Vorgehen. Im Gegenteil unterstreichen die neuen Tafeln von 2013 die Gedenkfunktion des Objektes erneut.

Ein Adolf-Hitler-Denkmal als Stadtmarketingkonzept? Das Beispiel Remscheid

Die Stadt Remscheid (NRW) feiert in diesem Jahr ihr 85-jähriges Bestehen als Großstadt. Herzlichen Glückwunsch möchte man da rufen. Wie jedoch das Fest begangen werden soll - darüber kann man nur den Kopfschütteln. Die Stadt präsentiert sich als “Löwenstadt”. Und das große Fest soll Ende August mit einer “Löwenparade” begangen werden.

Warum Löwenstadt?

Einer der Gründe ist ein Denkmal auf dem Rathausplatz (Theodor-Heuß-Platz). Auf einem hohen Sockel steht ein mächtiger Löwe aus Granit (siehe die Abbildungen). Dieser Löwe gab das Vorbild für einen Abguß ab, der von Interessenten erworben werden kann. Er soll bemalt werden, aufgestellt werden, sich über die Stadt verteilen (Infos zur Aktion auf der Seite Remscheider Löwenparade der Stadt) und auf diese Weise “ein Zusammengehörigkeitsgefühl” schaffen.

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(Markttag in Remscheid, der “Löwenstadt”, unter dem alten Denkmal, das 1939 Adolf Hitler gewidmet war.)

Nun ist es so, dass dieser Löwe auf dem Rathausvorplatz eine unschöne Geschichte hat (sie kann hier detailliert nachgelesen werden). Er wurde am 1. Mai 1939 aufgestellt. Im Sockel stand folgende Inschrift: “Dem Schöpfer des Großdeutschen Reiches in Dankbarkeit”. Es war also ein Adolf-Hitler-Denkmal, das auf dem damaligen “Adolf-Hitler-Platz” stand. Erschaffen hatte das Dankmal Willy Meller. 24.974 Reichsmark hatte er in drei Raten für sein monumentales Denkmal erhalten.

Meller hat mehrere Löwendenkmäler geschaffen. In Bochum, in Neuß und Leverkusen. Letzteres ist im II. Weltkrieg eingeschmolzen worden. Es handelt sich I. WK-Denkmäler.

In Remscheid ging im II. Weltkrieg nur das Rathaus in Schutt und Asche unter. Das Denkmal blieb stehen. Aber ebenso wie der Platz heute einen anderen Namensgeber hat, hat auch das Denkmal eine andere Inschrift bekommen: “Bergischer Löwe, Wappentier seit dem Jahre 1225”.

Mit der Vergangenheit nimmt man es in Remscheid offenbar nicht ganz so genau, Hauptsache, es gibt etwas ganz groß zu feiern, man fühlt sich löwenmäßig großartig - und wenn dafür ein Nazi-Löwe herhalten muss, warum nicht? Damals Volksgemeinschaft heute “Zusammengehörigkeitsgefühl”.

Herzlichen Glückwunsch an das Marketing der Stadt für diese großartige Idee ...

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(Mellers Löwe im Original ...)

(... und in der verkitschten Fassung zur Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls.)

“... eine lang andauernde Gedankenlosigkeit” - Der Parteiadler an der “Horst-Wessel-Halle” der “Reichsschulungsburg”. Das Beispiel  Erwitte

Weitere Literatur:

- Hesse, Hans/Purpus, Elke, Willy Meller (1887–1974) – Skizzen über den Kölner Künstler und seine Arbeiten für die NS-Ordensburgen, in: Geschichte in Köln  59/2012, S. 231–268.

- Hesse, Hans, Biografische Skizze (zu Willy Meller), in: Purpus, Elke, Zwischen Diktatur und Demokratie. Zur Auffindung und Bestandsbeschreibung eines Teilnachlasses des Kölner Künstlers Willy Meller (1887-1974), Köln 2014, S. 8-18 (auch den Anhang S. 52-69).

- Hesse, Hans/Purpus, Elke, "Die Schrecken des Krieges". Anmerkungen zu dem Mahnmal "Die Opfer" von Willy Meller an St. Audomar, in: Jahrbuch des Frechener Geschichtsvereins e.V., Bd. 9/2013, S. 181–192.

- Hesse, Hans/Purpus, Elke, „Bei uns wurde weiter vom Bau gesprochen und nicht von Politik. Wieso sollten wir hellsichtiger sein als viele kluge Männer im In- und Ausland“. Anmerkungen zu dem Künstler Wilhelm (Willy) Meller (1887–1974), in: Jahrbuch des Frechener Geschichtsvereins e.V., Bd. 5/2009, S. 187–206.

- Purpus, Elke, Die “Trauernde” in Oberhausen, in: Purpus, Elke, Zwischen Diktatur und Demokratie. Zur Auffindung und Bestandsbeschreibung eines Teilnachlasses des Kölner Künstlers Willy Meller (1887-1974), Köln 2014, S.40-51.

- Hesse, Hans/Purpus, Elke, Neue Informationen zur Skulpturengruppe “Die Opfer” von Willy Meller, in: Jahrbuch des Frechener Geschichtsvereins  e.V., Bd. 10/2014, S. 283-286.

- Hesse, Hans/Purpus, Elke, Zweierlei Gedenken. Zur Geschichte des Frechener Mahnmals „Die Opfer“ von Willy Meller (1887–1974), in: Jahrbuch des Frechener Geschichtsvereins e.V., Bd. 11/2015, S. 195–201.

- Hesse, Hans/Purpus, Elke, „Der Wächter an der Landesgrenze“. Willy Mellers gescheiterter Denkmalentwurf 1934 für Kalkar. Ein Beitrag zur NS-Gedenkpolitik zum I. Weltkrieg, in: Jahrbuch des Frechener Geschichtsvereins e.V., Bd. 11/2015, S. 202–214.

- Hesse, Hans/Purpus, Elke, ”Kraft” und “Freude” Zum Bildprogramm des “Kraft durch Freude” (KdF)-Seebads Rügen/Prora, in: Jahrbuch des Frechener Geschichtsvereins e.V., Bd. 12/2016, S. 119–155.